Langweiler und Flur-Guerilla

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27 Oct 2007, 15:57

Du wohnst doch hier!“
„Und Du hast hier mal gewohnt! Also, wie heißt die Straße in die wir müssen?“
„Keine Ahnung, irgendwas mit S oder so… aber diese Kneipe kenne ich. Ich glaube, wir sind richtig…“

Nichts ist schlimmer, als in einer Gruppe angetrunken den Weg zu einer Party zu suchen, Kids.
Denke ich jedenfalls, während ich zwischen meinen kleinen Schwestern durch die Nacht wanke. In nur 30 Minuten werde ich meine Meinung spontan ändern.
Die Musik ist doof und zu leise, das Büffet übertrumpft an Üppigkeit die vorhandenen Biervorräte bei weitem und die geladenen Gäste haben sich zu handlichen, uneinnehmbaren Grüppchen formiert, in denen sie sterbenslangweilige Belanglosigkeiten austauschen:

„Ich segel ja in meiner Freizeit, ne? Schon teuer, jaja… aber man gönnt sich ja sonst nix, ne?“

„… und dann sacht die: das war ja nun man wohl Absicht. Voll fies, oder? Also echt, mit so Kolleginnen rede ich doch gar nicht mehr. Muss ich nicht haben, echt.“

„Ja, aber in weiß fand ich die Schuhe nicht so schick, irgendwie. Klar passt das besser zum iPod, aber weiß? Neeee….“

„Ich glaub ja der neue Harry Potter ist echt gut. Nee, der Film. Neues Buch gibt’s auch? Echt jetzt?“

Okay.
Es reicht.
Das kann ich nicht einmal mit Bier kompensieren.
Ich stelle mich auf einen Stuhl im Wohnzimmer und verschaffe mir Gehör:
„Würden mal bitte alle Anwesenden, die nicht unendlich langweilig und gewöhnlich sind, kurz die Hand heben, damit ich mir ein Grüppchen aussuchen kann, das meine Gesellschaft verdient?“
Alle glotzen.
Niemand meldet sich.
Dachte ich mir.
Also Plan B.

Wir rotten uns im Flur zusammen, konsumieren Bier und Caipi in Reihenschaltung und sorgen dafür, dass niemand den Weg zur Küche oder auf die Toilette unkommentiert zurücklegt.
Gegen Mitternacht legt sich der erste Übernachtungsgast schlafen. Im Wohnzimmer!
Schließt die Tür und versperrt somit den Durchgang zu den Bierkästen auf dem Balkon!
Wir bilden eine Alkoholkette an der Schläferin vorbei und bunkern so viel Beck’s wie möglich. Außerdem lassen wir die Stereoanlage mitgehen und reaktivieren sie auf dem Flur.
Auf einmal stimmt nicht nur die Lautstärke, sondern vor allem die Musik:
The Lemonheads, Buffalo Tom, Jon Spencer, Motorpsycho, Blackmail und Magnapop in direkter Folge. Ich freue mich lauthals über diesen kosmischen Anstieg des Geschmacksniveaus.

„Wieso?“ sagt die Gastgeberin „Die CD hast Du mir doch mal zusammengestellt!“
Ah.
Das erklärt natürlich einiges.

Comentarios

  • judy_cologne

    O-kaaay - Hamburg ist also doch nicht immer die allerbeste und geschmackssicherste Stadt der Welt... es gibt dort auch die allerödesten und ätzendsten Partygäste dieser Republik *g* Grüße aus dem gemütlichen Großdorf am Rhein ;-)

    28 Oct 2007, 9:20
Ver (1)
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