Tanztheater mit Seeblick...

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1 Jul 2010, 14:14

Do., 24. Jun. – Fusion Festival 2010
...so kam mir mein erstes Mal auf der Fusion 2010 vor. Eines der schönsten Festivals, das ich bisher besucht habe. Ich war im Vorfeld nicht so ganz sicher, ob knappe 6 Stunden Anfahrt (mit nur einer Panne) lohnen, jedoch sollte ich mich gehörig irren. Allerdings war ich auch sehr fröhlich darüber schon Mittwoch abend anzureisen, denn der nächste Tag erwies sich als Anreisehorrorautoschlangen-Tag herausstellen...sicher haben dort einige Leute gleich mehrere Stunden verbracht, um bestimmt mindestents vier Eingangskontrollen zu passieren.

Na denn...weg vom Eingang...hin zum Luftschloß und zwar zur Kleingeldprinzessin aus Berlin. Anfangs mit ein paar Tonproblemen (die leider nicht die letzten sein sollten) gings direkt richtig los, mit tollem, treibendem Rock mit Reggae- und Bossa Nova-Einlagen. Dota und Ihre Stadtpiraten bespaßten das Publikum mit einfallsreichen, wortgewandten deutschen Texten und Mitmach- und -singaktionen.
Danach schnell weiter zu Atari Teenage Riot an der Hangarbühne. Vor der Bühne war bereits die Hölle los und das Spektrum der Songs reichte von "Prodigy" bis "Terrordome". Mir persönlich sagten die "ruhigeren" Prodigy-Ähnlichen Stücke eher zu. Zum Ende des Konzert erstürmte die Publikumsmasse die Bühne, von der die Show dennoch weiterlief. Ich habe noch nie Stage-Stagedivinggesehen...bis Donnerstag. Gekrönt wurde die tiefrote Veranstaltung von wilden "Knie-nieder-Deutschland"-Rufen und bengalischen Fackeln...was man davon hält soll mal jeder für sich entscheiden. Mir persönlich war es eine Nummer zu krass.

Daraufhin gings nebenan in den Datscha Hangar zu Dub Spencer & Trance Hill. Nach anfänglichen Tonproblemen ging es mit einiger Verspätung schließlich mit dem "Lied vom Tod" los. Langsame Raggae-bzw. Drum`n Bass-Beats bestimmen die Musik der schweizer Band. Nach ca. einem drittel des Konzerts habe ich mich verabschiedet, um mir auch noch Aavikko ein paar Schritte weiter anzusehen. AAVIKKO erinnern mich mit Ihrem Auftreten und der Musik sehr an Kraftwerk, allerdings teils mit längeren sphärischen Passagen oder auch Midi-Toneinlagen, der Musik von Videospielen ähnlich.


Den zweiten Tag habe ich am See begonnen und zwar an der wirklich schönen und beeindruckenden Müritz. Leider habe ich auf Grund des Badespasses die Mardi Grass BB verpasst. Rainer Von Vielen erwischte ich gerade noch am Hangar und dort gings ordentlich rund. Mit deutschen Texten bewegt sich Rainer in diversen Musikrichtungen, von Singer-/Songwriter über Volksmusik (das herrliche Sido-Cover) bis zu Raggae- und Balkanbeats. Die Gute Laune breitete sich aus wie ein Lauffeuer.
Danach habe ich erstmal die umfangreichen anderen Attraktionen des Festivals in Augenschein genommen, denn abgesehen vom hohen Musikangebot hat die Fusion auch noch diverse Workshops (von HulaHup bis Theater), Cabaret, Theater, Zirkus und Kino zu bieten. Nach einigen mehr-schlecht-als-rechten Versuchen auf der Slackline habe ich mit meinen Freunden die Zirkuswiese "Casbah" auskunschaftet.
Pünktlich gegen 23.30h verammelte ich mich dann mit vielen anderen Beigesterten am Roten Platz für Dendemann. Das neue Album hatte ich bislang höchstens Ausschnittweise gehört, verließ mich jedoch nach einer ganzen Reihe vorheriger toller Konzerte auf die Spasskanone. Dende war auch absolut in Topform und prügelte seinen Bekannten Songs eine diverse 80er-Melodien auf, durchaus passend und zumindest von Ihm sehr gut umgesetzt, was ich von seiner Band leider nicht sagen kann. Auch hier, schon fast Standart auf der Fusion, Tonprobleme - die Musiker konnten sich nicht hören. Aber selbst wenn, mangelte es an Abstimmung und musikalischen Spannungsmomenten - wenn es sie gab, wurden sie regelmäßig verpasst bzw.ignoriert, was insbesondere für Dendemann, der voll in Fahrt das Publikum dennoch bei Laune hielt, schade war. Dennoch lieferten er und sein DJ, trotz der mäßigen instrumentalen Unterstützung eine tolle Show.
Darauf folgten im Luftschloß die Jazzsteppa. Dubstep, Drum`n Bass und Dancehall-Einflüsse bilden die Grundlagen für den harten Sound der auf der Bühne live perfomed und zusammengeschnipselt wird. Gal Bar-Adon, Sänger der Combo, heizte die schwitzende Masse mit aggressiven zu den harten Beats passenden Rufen an und die Stimmung kochte. Ein schöner Samstagmorgen und der richtige Moment um ausgetanzt auf die Matratze im Auto zu fallen.

Zwischen 9 und 10 Uhr werden wir morgens von der Sonne wachgekitzelt bzw. aus dem Backofen-Klima-Auto gescheucht. Der heutige Plan ist ruhiger, erstmal gehts zum See und zum Laden mit dem Bus. Die Idee mit dem ca. halbstündigen Shuttleservice durch die Mecklenburg-Vorpommerische Walachei ist hervorragend und funktioniert relativ gut. Meine Freunde und ich schaffen es uns mit in einen der für diese Verhältnisse angenehm vollen Bus zu stopfen und Fahren durch Rechlin an die Müritz. Das Wasser dort ist angenehm kühl und im Kontrastprogramm zum Festival gibts leckere Currywurst mit Pommes Schranke. Bestimmt 150-200m kann man im erfrischenden Nass stehen und so planschen wir bis ca. 16 Uhr um dann den Rückspaziergang durch die Pampa nach Rechlin anzutreten um Bier einzukaufen und den Bus zurück zu bekommen.

Um 18 Uhr, soll es nämlich schon mit Illute weitergehen. Pünktlich schaffe ich es ins Casino wo die Wahlberlinerin gerade zusammen mit Ihren beiden musikalischen Kolleginnen Elli Malou und Geigerin mit dem Soundcheck beschäftigt ist. Wie gewohnt gestaltet sich dieser recht umständlich und nimmt auch noch ein drittel des eigentlichen Konzerts in Anspruch. Das Trio allerdings legt sich ins Zeug und bietet eine abwechslungsreiche Singer-/Songwriter Show mit teils drolligen teils fast symphonischen Einlagen. Mal auf der Geige gezupft mal auf dem Xylophon angetippte Töne - eine gemühtliche Klangcollage.
Kurz darauf schnell weiter zur Turmbühne...dort hat Swayzak bereits angefangen und überascht mit einem eher unspektakulären Set. Nach den insgesamt recht ruhigen ober innovativen Alben hatte ich ehrlich gesagt mehr musikalische Vielfalt von den beiden Minimalisten erwartet. Naja, zum "eingrooven" hat es trotzdem gereicht.
Nach einem leckeren vegetarischen Gericht an einem der diversen (durchweg vegetarischen und veganen) Fressmeilenstände führt mich meine musikalische Wanderung jetzt zum Roten Platz zu Die Sterne, von denen ich leider nur noch die letzten beiden Zugaben mitbekomme. Der begeisterten Masse nach zu urteilen haben sie allerdings eine passable Vorstellung geliefert.
Einige Zwischenstops, z.B. bei der hervorragneden Balkanbeats-Truppe Mahala Rai Banda, vegetarische Leckereien und artistische Darbietungen später finde ich mich mal wieder im Luftschloss ein. Ich habe mir High Tone aus Frankreich ausgeguckt, denn deren Text im Programmheft erschien mir verheißungsvoll. Die fünf, ich zitiere, "Dub-Visionäre" schaffen bizarre, hypnotisierende und mit kraftvollen Beats treibende Klangwelten. Schnell ließ sich die Masse treiben und zum Springen animieren. Innerhalb kürzester Zeit schlug die gute Laune Purzelbäume. Tolle Sounds mit eine schicken Videoinstallation.
Es wäre allerdings unfair Mahala Rai Banda jetzt einfach links liegen zu lassen. Die rumänische Balkan-Big-Band machte ein musikalisches Schlachtfeld aus dem Publikum. Immer wieder finde ich es faszinierend wie sich eine solch große Truppe trotz Improvisationen innerhalb der einzelnen Lieder organisiert. Auch hier funktionierte alles tadellos und sogar der Sound war in Ordnung. Auch für die "Romanian-Gypsy-Brass-Band" war dieser Abend sicherlich ein Ausnahmeerlebnis.

Den letzten Tag, Sonntag, bin ich sehr gemütlich angegangen und habe mir alle bislang teils unbeachteten Stationen zu Gemüte geführt. Workshops, Theater- und Kinovorstellungen, Cabaret...die Fusion hat so viel zu bieten. Ich kann mit Sicherheit für mich sagen, dass es eines der besten Festivals ist, auf denen ich bisher war. Trotzdem es dort einen überdurchschnittlichen hohen und offenen Drogenkonsum gibt ist die Schlucht zwischen Drogenkonsumenten und Festivalbegeisterten sehr tief und jeder weiß sich abzugrenzen bzw. anderen zu helfen, wenn es nötig ist. Das Festival organsiert sich soger mit Hilfe der größtenteils freundlichen und entspannten Besucher selbst. Nachts (so ab 2 od. 3 Uhr) könnte wohl die Musik ruhig etwas leiser sein, jedoch kann man sich auch dagegen mit Ohrenstöpseln wappnen. Trotzdem ich kaum eine Band wirklich unbedingt sehen wollte, habe ich diverse, teils neue, positive Überraschungen erlebt. Das Musikangebot reicht von Elektronik über Jazz zu Songwriter und Klanginstallationen...fast jede Musikrichtung ist vertreten.

Abschließend kann ich zufrieden sagen: Fusion...i´ll be back!

Comentarios

  • wennEsAnfaengt

    Es wird wohl eher "Nie wieder Deutschland" gewesen sein.

    3 Jul 2010, 9:46
  • JawsSurfer

    ...macht jetzt auch keinen großen unterschied, meines Erachtens...

    3 Jul 2010, 9:50
  • JawsSurfer

    puuuh...endlich fertig

    21 Jul 2010, 11:39
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