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    9 Sep 2013, 18:58

    Mi., 4. Sep. – Queens of the Stone Age - 1live Radiokonzert

    04.09.2013
    Queens of the Stone Age
    Kulturkirche Köln
    1LIVE Radionkonzert

    Ich verzichte an dieser Stelle auf Zeilenfüller über die Band und komme direkt zur Sache.


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    Location
    Köln-Nippes scheint eine hübsche Umgebung zu sein. Viele kleine Straßenverzweigungen führen durch das sehr lebendige Wohngebiet. An den meisten Ecken der dichten Wohngebäude liegen Restaurants, Kneipen oder andere gastronomische Einrichtungen, die eine entspannte Atmosphäre erzeugen. Die Kulturkirche liegt sehr zentral inmitten dieses Wohngebietes. Sie ist durch U-/Straßenbahn in knapp zehn Minuten zu erreichen. Ausreichend Parkplätze liegen in ähnlicher Entfernung.
    Das Innere der Kirche birgt nur dann Überraschungen, wenn man aufgrund der Konzertlocation eine kirchenuntypische Einrichtung erwartet. Hohe Decken, verzierte Säulen, Wände und Fenster und massive Holztüren schaffen Ehrfurcht. Mehrere Bankreihen bilden zwei Sitzblöcke. An den Seiten senkrecht dazu weitere Bänke. Über dem Eingang eine höher gelegene Eben samt Orgel. Das Ganze in dunkel-warme Beleuchtung getränkt erzeugt eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht und nur durch die begrenzte Fläche der Kirche gestaut wird. Die Bühne ist ausreichend groß für die gängigsten Band Line-Ups. Rund um die Kirche war genügend Fläche für die eingelassenen Gäste vorhanden und das Grundstück ist durch eine Steinmauer, Gitter und Tore umgrenzt.
    Die Akustik innerhalb der Kirche wird mich skeptisch stimmen.


    1LIVE
    Der Hörfunksender gab sich Mühe, die Atmosphäre im Innern der Kirche nicht durch zu viele Extras abzuschwächen. Ein Bier-, Brezeln- und Getränkestand im Innern sowie ein noch etwas größerer vor den Toren der Kirche waren für die Anfrage ausreichend. Das Personal war freundlich und der Einlass lief aufgrund der begrenzten Zuschauer - 1LIVE verloste 250 Tickets, es waren knapp 300 Personen anwesend - reibungslos. Die Außenfläche der Kirche war teilweise abgesperrt. In diesem abgesperrten Bereich standen der WDR-Radio-Wagen, Techniker, Securities und weitere Mitarbeiter, die aber kaum auf sich aufmerksam machten und den Aufenthalt ungestört ließen. Als sanitäre Anlagen dienten außerhalb der Kirche zwei Dixi-Klos, vor denen es auch nicht wenig Andrang hab. Im Innern der Kirche lagen allerdings noch weitere Toiletten - Männer und Frauen separat -, die nicht allen Besuchern aufgefallen waren. Dennoch waren die Toilettenmöglichkeiten grenzwertig.
    1LIVE Mitarbeiter verteilten an alle Besucher Gesangs"bücher", auf die Josh Homme während des Auftritts mehrfach spaßend einging. Sie enthielten die Lyrics mehrerer QotSA-Stücke, teilweise auch in gekürztem Format. Die Hefte erschienen qualitativ hochwertig und waren definitiv eine schöne Idee, wenn sie auch in Kombination mit der Kirchenatmosphäre ein wenig Kitschfaktor weckten. Nichtsdestoweniger im Nachhinein ein schönes Andenken. Die 18 enthaltenen Songs waren jedoch nicht mit der Setlist identisch.
    Im Innern platzierte 1LIVE an beiden Seiten je eine Kamera, eine weitere, höher gelegen in der Mitte, sowie eine in der Kanzel unmittelbar auf der Bühne. Die Bankreihen wurden vorne durch wenige Stuhlreihen ergänzt. Der Mittelgang wurde leider abgesperrt, da er den Zuschauern einen "freien Durchgang" ermöglichen sollte. Unmittelbar vor der Bühne zu stehen oder zu sitzen wurde mit der Begründung, man verdecke die Show für die Kameras, verboten. Da ich mich schlecht gefühlt hätte, auf einem Rockkonzert zu sitzen, platzierte ich mich am rechten Seitengang, von wo aus man einen schrägen, aber guten Blick auf die Bühne hatte. Leider zeigen die vielen Säulen hier ihre negativen Auswirkungen auf das Blickfeld der Zuschauer.
    Merchandise der Band wurde leider nicht angeboten, was aber laut meiner Nachfrage eher an QotSA als an 1LIVE lag.


    Queens of the Stone Age - Das "Konzert"
    Die 1LIVE Mod verkündete es erst kurz vor dem Beginn des QotSA-Auftrittes. Die Queens hätten ihre Songs eigens für dieses 1LIVE-Konzert umgeschrieben und stärkeren Wert auf Piano und akustische Gitarre gelegt. Dean Fertita eröffnete den ersten Song an der hauseigenen Orgel. Zu Long Slow Goodbye stand Josh Homme noch solo auf der Bühne. Zwar war die Band vom Zweiten an vollständig am Werk, doch das Schlagzeug spielte durch mehrere Tücher gedämpft; die Verstärker - wie man es von QotSA gewohnt ist, mit perfekter Soundabstimmung - doch verhältnismäßig leise. Vor allem das Piano stand geräuschtechnisch mit im Vordergrund, was sich auf den Gesamteindruck jedoch ganz und gar nicht negativ auswirkte. Man musste sich damit abfinden, dass es kein actiongeladenes QotSA-Konzert wird, und sich die Musik an die Örtlichkeiten anpasst. Da die meisten Zuschauer saßen, kam ein wirkliches Konzertfeeling kaum zustande. Nichtsdestoweniger war die Verbindung zwischen Band um Publikum sehr eng. Alle Bandmitglieder waren gut zu sehen und auch rauszuhören. Josh bewies erneut, warum er die coolste Sau auf dem Planeten ist. Er zeigte einen sehr guten Umgang mit dem Kölner Publikum, ließ es aber gleichzeitig nicht an der typischen QotSA-Attitüde fehlen, die auch immer ein wenig sonderbar und ironiegeladen - oder wie Josh sagte: weird - ist. Action und Schwung fehlten dem Auftritt jedoch leider gänzlich. Es war entspannt den Liedern zu lauschen - am besten machte man es der Band gleich und trank sich gemütlich ein Glas Wein -, harte und laute Übergängen, von denen ...Like Clockwork nicht wenige vorzeigen kann, blieben jedoch so gut wie unbemerkt, wodurch die gesamte Setlist sehr einförmig wurde.

    Hier die Setlist:

    Long Slow Goodbye
    My God is the Sun
    I Never Came
    ... Like Clockwork
    Make it with Chu
    In the Fade
    Kalopsa
    I Sat by the Ocean
    Vampyre of Time and Memory
    Into the Hollow

    _

    Go with the Flow (encore)

    Nicht alle Lieder wurden in dieser umgearbeiteten Fassung in voller Länge gespielt. Für den Encore schafften es die Zuschauer dann auch, tatsächlich aufzustehen, doch das Tanzmomentum war schon längst überholt und konnte auch durch die Zugabe Go with the Flow nicht mehr gerettet werden.


    Fazit meiner PoV
    Ich war heiß auf einen schweißtreibenden QotSA-Gig. Die gute alte Tanz/Pogomischung sollte es bei den schnellen Liedern machen. Die ruhigeren Tracks - qualitativ gleichauf mit dem Rest des Repertoires - zum entspannen und Stoner Riffs, um einfach nur Spaß zu haben und den Herzrhythmus an den Bass anzupassen. Die Freude war so groß, nachdem ich den Ticketgewinn bestätigt bekam und beinahe soweit gegangen wäre, mir keine Karten mehr für QotSA im November in Düsseldorf zu holen. Ich verlor meine Zuversicht dann, als ich die Sitzplätze sah, die von den Besuchern in typisch deutscher Manier mit Jacken reserviert wurden. Ein Freund hatte mir versichert, dass Bänke in der Kulturkirche zwar möglich sind, aber es bereits Events gab, bei denen diese rausgeräumt wurden. Nachdem ich mich vom Soundmann über die Securities, Ausschank und Flyerverteiler zu einem Anweiser hochgefragt hatte, bekam ich die traurige Antwort, dass man entweder sitzen oder an der Seite bzw. hinten stehen muss. Direkt vor der Bühne war nicht erlaubt – nicht mal sitzen. Ich wollte QotSA nicht auf meinen vier Buchstaben erleben, also an die Seite mit mir. Nach ganz vorne gearbeitet, aber schon mit einem "richtigen" Konzert innerlich abgeschlossen. Und so verlief dann das typische Phänomen, wenn man große Erwartungen aufbaut und diese nicht erfüllt werden. Das ist meine Negativkritikkeule! Doch genug davon. Die Songs waren wahrscheinlich einzigartig aufgeführt, die Atmosphäre wirklich gut und die Frage bleibt offen, wie es denn der Band gefallen hat. Josh witzte in seiner leicht apathischen Art mit den Zurufen des Publikums und schien nicht unzufrieden, weiß man doch, wie er auf Publikum, das ihm nicht passt, reagieren kann (wie z.B. hier zu Beginn). Die Jungs waren den Tag vorher noch in Philadelphia gewesen. Jetlag und sofort wieder ein Gig. Das könnte in der Kirche mit Wein eine gute Entspannungsnummer gewesen sein. Vielleicht war die Ironie aber auch noch trockener, als ich es als Ironie-Fan eingeschätzt habe und sie wollten es einfach nur hinter sich bringen. Das wäre auch d'accord damit, dass das angekündigte 90 Minuten Set nur eine gute Stunde lang war. Es war dann doch eher ein Pärchenabend - wie gesagt: sitzend - und das geheuchelte Aufspringen beim Encore passt zu meiner Einschätzung der 1LIVE-Zuhörer. Vielleicht hätte die Kirche ein "richtiges" QotSA-Konzert auch gar nicht überstanden. Die Akustik war in Ordnung, aber ich kann mir gut vorstellen, dass man unter Umständen durch die hohen Decken etc. vor einer fiesen Geräuschkulisse steht.


    Bilder gibt es hier und ein Video hier.
    Warum eigentlich nur ein Video, wenn doch das gesamte Konzert aufgezeichnet wurde? Keiner weiß es. Vielleicht kommt da von 1LIVE auch noch etwas oder ich habe es in dem Gewusel, was sie ihre Website nennen, übersehen.


    Pro / Contra
    Noch mal zusammengefasst und zum Mitschreiben:

    + Atmosphäre
    + Nähe zur Band
    + speziell umgearbeitete Songs
    + kostenlos
    + faire Bierpreise
    + Gesangsbuch
    + Josh Homme's Coolness

    - Sitzplätze
    - Spieldauer zu kurz
    - WC's grenzwertig
    - speziell umgearbeitete Songs


    Wir sehen uns lieber dann am 08.11.2013 in Düsseldorf bei Queens of the Stone Age!
  • Carnival’s Nightmare

    15 Nov 2010, 21:47

    Avenged Sevenfold
    Donnerstag, der 11.11, Köln, Live Music Hall

    Angekommen in Köln-Ehrenfeld. Es regnet. Zu dieser Zeit befinden sich nur drei Arten von Menschen in den Straßen der Stadt. Karnevalsfeiernde, Konzertbesucher und solche, die gleich Beides kombinieren und sich samt Kostüm in die Hitze des Konzertes schmeißen. Die Schlange vor der Halle war zunächst so lang, dass man die LMH gar nicht erst sehen konnte, wurde dann aber ab Einlass um 19:00 so rapide dezimiert, wie ich es noch nie erlebt habe; ein Lob an das Personal am Eingang. Hinter der Einlasskontrolle noch im Vorhof hatte ich dann die Wahl. Erst meine Jacke abgeben, was dank doppelter Besetzung an jeweils zwei Garderoben sehr komfortabel war, oder erst zum Merchstand. Keine Frage, man muss doch bestaunen, was man einst nur auf Bilder gesehen und dann sofort zuschlagen. Ein kurzer Schock, der aber das einzige Manko des Abends werden sollte. Überteuerte T-Shirt, Preise. Kurz die Stirn gerunzelt und doch zugeschlagen. Meine Wahl fiel auf das schwarz-weiße ‚Party in Hell’-Shirt - sofort angezogen. Ich trug zuvor ein einfaches schwarzes Shirt aus dem meine Freunde und ich fix einige provisorische Armbinden flochteten, die wir während des gesamtes Konzertes als Tribut für Jimmy am Oberarm trugen. Sofort kam man ins Gespräch mit anderen Besuchern. Es herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre, auch seitens der Crew. Die Tatsache, dass der Shirt-Verkäufer kein Deutsch sprach, machte ihn für mich nur sympathischer. Mich erwartete ja auch kein deutsches Konzert. Die Halle füllte sich langsam aber stetig und die Vorband, Hyproglow, wollte ich mir aus einiger Entfernung ansehen. Allerdings machten die Jungs direkt so große Stimmung, was als Vorband auf einem Konzert, auf dem alle nur auf den Headliner warten, nicht besonders einfach ist, dass ich mich an der rechten Bar vorbei pirschte und mich mit allen anderen Fans auf die Männer des Abends einstimmte. Die ließen nicht lange auf sich warten. Eingeführt durch Simon & Garfunkels ‚Sound Of Silence’, was mir doch ordentlich zu denken gab, welche emotionale Achterbahnfahrt mich wohl an diesem Abend erwarten wird, traten Avenged Sevenfold unter enormen Lautstärkepegel der Fans auf die Bühne. „Nightmare“ eröffnete die Show. Ich stand noch relativ weit hinten und dachte mir, es gäbe wohl schon keinen Platz mehr, um weiter nach vorne zu kommen - Irrtum. Als Shadows das erste Mal sein Organ am Mikrophon preisgab, wurde ich, ohne mich selber zu bewegen, bis in die vordere dritte Reihe geschleudert, wo ich von nun an bleiben sollte. Perfekte Sicht auf die Band, perfektes Gefühl in der Menge. Hier fühlte man sich wortwörtlich willkommen, ‚Welcome to the Family’ - mein persönlicher Favorit. Nicht zu vergessen ‚Critical Acclaim’: ein jeder pumpte mit Shadows im Takt seine Faust in die Höhe. Dies fand seines atmosphärischen Orgasmus im Erklingen der Stimme von James „The Rev“ Sullivan’s Refrain, bei dem alle Blicke gen Himmel wanderten. ‚Beast and the Harlot’ kam überraschend früh, anscheinend hatten wir den Status einer City Of Evil bereits jetzt schon erreicht. Keine Frage, dass man uns nun mit ‚Buried Alive’ direkt in die Hölle mitnehmen wollte. Unbeschreibliche Lichttechnik, der Wechsel von Ober- zur Unterwelt, untermale dieses Meisterwerk an melodischer Komposition. Im Anschluss sprach Shadows einige Worte über Jimmy. Viele sahen bedächtig aus, ja schon fast traurig. Man kann nicht nachvollziehen, was A7X in dem letzten Jahr durchgemacht hat und doch haben wir alle Menschen, die wir lieben und nicht verlieren wollen. ‚So Far Away’ begleitete dieses Gefühl noch weiter. So weit, dass wir uns auch schon im ‚Afterlife’ befanden. Hier reichen Worte nicht aus, um die Stimmung der Fans zu beschreiben. Sie war auf dem Höhepunkt, Syn traf jede Saite, Shadows jeden Ton, Portnoy fang jeden in die Luft geschleuderten Drumstick und Jimmy - er gab sich erneut zum Besten. Aber was tun, wenn man erstmal in Höchstform ist? Keine Frage - ‚God Hates Us’ startete einen alles erschütternden Massenpogo, der leider auch viele an die Grenzen des Ertragbaren stoßen lies. Auch ich war erschöpft, schweißgebadet, wirklich so unglaublich nass. Wir stützten uns zu acht Mann gegenseitig und bildeten eine Kette, die dem weitern Druck von Johnny’s Bass Widerstand leisten sollte. ‚Bat Country’ knüpfte an unseren Rauschzustand an. Ein Wechsel von schnellen und langsamen Passagen gab und wieder Luft für weitere Atemzüge. Ich wusste, es war noch lange nicht vorbei. Ich wusste, dass da noch was kommt. Und ich wusste, dass diese Vorstellungen nicht verrückt waren - ‚I’m not insane’ - ‚Almost Easy’ schmetterten die Jungs als vermeintlich letzten Song durch die Halle. Aber kein Ende in Sicht. Nachdem ein paar deutsche Sätze, wohl eher Anstößigkeiten, die Stimmung erneut auflockerten und entspannter machten, bereitete mir ‚Seize the Day’ ein innerliches Lächeln, was ich auch sofort nach außen trug. Kräftig durch atmen, man lebt! Und das wurde auch sofort erprobt, mit ‚Unholy Confessions’ als Finale. Doch nicht der Song per se, viel mehr die Aufforderung von Mike zum Circle Pit, brachte wohl jeden, der jetzt schon dachte, es sei vorbei, um den Verstand. Wahnsinn vermischte sich mit unbegrenzter Freude, letzter Energie und dem Wissen, einige wundervolle Erinnerungen mit nach Hause zu nehmen. Mit dem Startschuss zeigte A7X noch ein letztes Mal, dass sie wirklich etwas von ihrem Handwerk verstehen. Sie boten einen perfekt abgestimmten Song nach dem Anderen und hielten die Stimmung konstant über Skala. Darauf erst einmal einen trinken. Den Regen draußen spürte ich schon gar nicht mehr. Somit bleibt nur eins zu sagen:
    Komm wieder! - Kommt bald!

    Leo
  • Hey Ole, Hey Amigo, Amigo Adiós!

    13 Dic 2009, 20:45

    Massendefekt - Ein neues Kapitel

    Fr., 11. Dez. – Abschiedtour 2009

    Die Werkstatt
    Für mich war es das erste Mal in der Werkstatt. Ankunft mit dem PKW, der Parkplatz ist problemlos zu finden. Zu aller Überraschung genau vor der Werkstatt, an der ich ersteinmal vorbeigegangen bin, da ich, neben dem herausstechenden Getränkemarkt, an dieser Position keinen Veranstaltungsort erwartet habe. Im Inneren dann die Überraschung. Die Werkstatt bietet eine äußerst gemütliche und vertrauensweckende Atmosphäre. Klein aber fein. Dieser Effekt wirkte sich auf das Konzertgeschehen nur positiv aus. Trotz satter Ausfüllung der Werkstatt enstand keine Überfüllung und das ein oder andere Gesicht sah man so häufiger.

    Das Vorspiel mit Vorspiel
    Die Vorband erschien mir weise gewählt. Es war genau das richtige um für Massendefekt warm zu werden. Mir gefielen sie sehr gut und es erschien mir, als wäre niemand mit ihrem Auftreten unzufrieden. Vielleicht standen sie etwas zu sehr im Schatten des Großauftritts, aber dafür haben sie sich exzellent präsentiert.

    Massendefekt
    Nicht das letzte Konzert der Abschieds-Tour für den, die Band verlassenden Sänger, Ole, aber dennoch der Endabschnitt für Köln. Die Entscheidung ist getroffen und es gibt keinen Weg mehr zurück. Er ist, wie jedes andere Bandmitglied von Massendefekt, ein ausschlaggebender Faktor. Ihn das letzte Mal auf der Bühne zu sehen, verstärkte den schon längst zu genüge vorhandenden emotionalen Charakter sämtlicher Lieder. Und es wurden viele Lieder gespielt. Jedes Album kam auf seine Kosten. Die Neueren zwar mehr, aber dennoch zu meiner Freude ebenfalls das erste Album Nur Für Euch. Hinzukommend das Verlangen des Publikums nach, wie es Ole stets bezeichnete, 'Romantik'. 'Es tut noch immer weh', 'Frei von dir' und 'Ein Leben lang ist nicht genug' waren sensationell und kurbelten wie ein jedes andere Lied die Motivation der Fans an. Es herrschte ein optimaler Pogo, der sofort hinter den ersten beiden Reihen begann. Soweit ich beurteilen konnte, hat sich niemand ernsthaft verletzt. Auch das Stage-Diving wurde mehrfach brilliant ausgeübt. Falls es noch jemand bemerkt hat, war die Zielrichtung, die die getragenen Personen durch die zahlreichen Hände der Fans einschlugen, immer die Bar. Die Bolognese und der Sitzpogo waren ebenfalls grandios und zusammengefasst betrachtet, lässt sich das atemberaubende Niveau des Konzertes garnicht wahrheitsgemäß in Worte fassen. Auch die La-O-La, der Chor bei 'Ein Gruß gen Himmel' und die stets amüsanten Chants von Seiten der Fans als auch der Band, möchte ich nicht unerwähnt lassen. Wer es erlebt hat, weiß was ich meine. Darauf folgt eine exzellente Stimmung, die jeden Fan erfüllte. Ganz egal, dass es draußen kalt war - 'Nur ein Sommerlied' entfachte Begeisterung. Die Präsentation des neuen Songs 'Wellenreiter' (welches ich übrigens sehnsüchtig als Single erwarte), während Ole eine Rauchen war, machte Mut auf weitere große Stücke der Band. Mir erschien es, als wären wir alle eine große Familia - La Familia. Ich hoffe wir konnten Underground zumindest ein wenig zeigen, wo der Rock-Hammer hängt. Es war klasse. Optimaler Sound. Kein Ärger und kein Problem trübte die Atmosphäre. Abschließend bleibt nur noch zu sagen: Danke! - Danke, Ole!
  • Flutung der Turbinen

    15 Nov 2009, 16:36

    Sa., 14. Nov. – "Hart am Wind" Tour 2009

    Prolog
    Eine kleine Tür deutet den Eingang zur Turbinenhalle an. In ihrem Inneren sind bereits hunderte von Fans und Außerhalb warten noch hunderte Andere. Wenn man es nun schon geschafft hat, bis zum Eingang vorzudringen, stellt sich sofort die erste Frage. Wo ist die richtige Einlassstelle für mein Ticket. Grund dafür war, dass das Konzert mehrfach umworben wurde. Nicht nur als Tourabschluss für Frei.Wild's 'Hart am Wind'-Album. Auch Rocksau gab an diesem Tage Kohle & Stahl vor. Zusätzlich stand die '11. Gebot'-Tour der Krawallbrüder an. Dies führte zu vielen Variationen von Tickets und vorallem dazu, dass die Halle überfüllt war.

    Die Turbinenhalle
    Auf den ersten Blick zeigt sich eine geile Location. Betrachtet man dies nun allerdings etwas präziser öffnen sich Abgründe. Verwirrung enstand durch die Märkchen. Wollte man bspw. zur sowieso schon überfüllten Garderobe vordringen, um sein Hab und Gut abzugeben, so musste man feststellen, dass man hier nicht mit Geld bezahlen konnte. Folglich war man gezwungen sich zum Märkchen-Stand zurück zukämpfen. Die Preise waren für ein Konzert zwar angemessen, jedoch stellte sich häufiger die Frage, ob man nun mit barem Geld oder mit Märkchen zahlen musste. An den Bar's musste man meist sehr lange darauf warten, dass man bedient wurde, was aber weniger an den überforderten Arbeitskräften, als an der Dreistigkeit einiger Besucher lag. Desweiteren bot sich mir ein Nonsens in der Nutzung der zweiten, kleineren Halle. Zu Beginn war hier keine Menschenseele und mir war klar, dass ich immer in diesem Bereich das WC aufsuchen werde. Zwischen den einzelnen Act's jedoch, füllte sich auch dieser Bereich zunehmend. Als Frei.Wild dann auch ihren Auftritt präsentiert hatten, schlugen die Sanitäter ihr Lager in der kleineren Halle auf und der Zugang für alle Nicht-Verletzten war gesperrt. Aber hierzu später mehr.

    Line-Up

    Rufmord
    Rufmord spielte als erster Act, als Anheizer der Menge. Und diesen Job erledigten sie grandios. Ich habe sie bereits häufiger Live gesehen, weswegen ich allerdings bemerken musste, dass bei den Coverliedern von Schwarzes Blut (Betontod) und Export (4 Promille) Textunsicherheit bestand. Nichtsdestotrotz haben sie ihre eigenen Lieder zum Besten und konnten mit Sicherheit einen Großteil des Publikums beeindrucken. Als Opener lieferten sie eine tolle Leistung und, wie sich später rausstellte, waren sie an der Spitze der Gesamtleistung des Konzert's angesiedelt.

    prolligans
    Sie standen eigentlich garnicht auf dem regulären Plan der spielenden Bands. Eingesprungen sie die Prolligans für Thekenproleten. (gesundheitliche Gründe) Allein diese Bereitschaft verdient bereits Lob. Sie konnten einige Teile der Menge zum feiern anregen. Als Besucher, dem Prolligans nicht bekannt sind, war es jedoch etwas schwer die Texte zu verstehen. Der Sound war nicht optimal eingestellt, aber auch die beiden Sänger erschienen mir in ihrer Aussprache undeutlich. Ein guter, solider, zweiter Act.

    Kärbholz
    Kurz nach ihrer 'Mit Leib und Seele'-Tour stehen sie wieder auf der Bühne. Sie spielten alte wie auch neue Lieder querbeet aus ihrem Repertoire. Der Sound war, bis auf vereinzeltes Bass-Schnarren, perfekt und Torben hatte das gesamte Publikum im Griff. Er konnte Alles und Jeden zum Mitmachen animieren. Sogar 'Ich bin ein Star' stand mit auf dem Programm. Spätestens bei dem Song 'Mein Weg', welcher stimmkräftig durch Fanchöre unterstützt wurde, spürte man die Emotionen in der Halle. Gänsehaut, als auch eine starke Verbundenheit von Kärbholz zu ihren Fans unterstreichen diesen großartigen Auftritt. Für mich einer der Höhepunkt des Abends.

    Reach Us Endorphine
    Als die fünf Jungs von Reach Us Endorphine mit ihrem Programm begannen, war ein Großteil der Besucher doch ersteinmal überrascht. Englische Texte, schnellere Gitarren, aggressiveres Schlagzeug. Das hat nun wirklich nicht ins Gesamtbild gepasst. Zwar standen unzählige Leute vor der Bühne, wirklich mit der Musik mitgegangen sind jedoch nur wenige. Sie spielen eine Art Metal. Und dies machen sie wirklich außerordentlich gut. Von Unsicherheit keine Spur; sie machten ihr Ding und das machten sie richtig. Ich bin mir sicher, dass man von dieser Band noch mehr hören wird. Aber dann bitte nicht auf einem Deutsch-Rock Konzert. Trotzdem Top!

    Frei.Wild
    Es war das, worauf alle gewartet hatten. Zurecht! Von dem Moment an, wo die vier Tiroler die Bühne betraten, herrschte, bis zum Verlassen, Ausnahmezustand. Ein jeder fand sich in den Mengen ein. Ein jeder tanzte, pogte oder sang die Texte mit. Frei.Wild gab sich zu ihrem Besten. Die neuen Lieder kurbelten die Stimmung zusätzlich an. Ob schnelle Lieder wie 'Niemand', die sämtliche Pogo-Energie forderten, ob ruhige Lieder wie 'Stück für Stück', die von einem Meer aus Armen und Feuerzeugen begleitet wurden oder einfach nur Lieder, die jeder mitsang. Nicht umsonst wurden sie als Headliner gehandelt. Ihr Auftritt war klasse und im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Bevor Schluss war, stellte die Band nocheinmal Alle vor, die bei der Tour mitgewirkt hatten. Ein jeder, der es verdient hatte, wurde erwähnt und besuchte die Bühne, die dann mit dem Abschlusstück auch zur Pogofläche wurde. So soll es sein!

    Krawallbrüder
    Auch, wenn viele die Halle nach Frei.Wild verlassen hatten, konnten die Krawallbrüder vor einem großen Publikum spielen. Die Party ging weiter und jeder, der wegen der '11. Gebot'-Tour vorort war, kam auf seine Kosten. Auch sie leisteten eine gute Leistung.

    Schlusswort
    Schade fand ich persönlich, dass nach dem Konzert nicht über das Konzert gesprochen wurde, sondern über die Zustände an den Theken und an der Garderobe. Viele beschwerten sich über die Schlangen, Wartezeiten und Fülle der Räumlichkeiten. Die Sanitäter konnten den Verletzten und Angeschlagenen zwar Prognosen geben, aber behandeln konnten sie meist nur im groben Ausmaß. Ich hoffe die Schlägerei vor den Türen der Halle war ein Einzelfall. Die Security hätte stärker eingreifen und strenger kontrollieren müssen. Die Turbinenhalle schien den Flutwellen der Besucher nicht gewachsen. Dies war nur dann positiv zu betrachten, wenn man die Menge der Menschen, während der Auftritte bestaunen konnte. Alles in allem war es ein gelungenes Konzert. Frei.Wild hatte einen würdigen Tourabschluss!