• Highfield 21.08.2009

    31 Ago 2009, 20:14 de shakarsten

    Fr., 21. Aug. – Highfield Festival 2009

    Ein Festival zieht um. Wie sehr trauern 25.000 Besucher ihrem Highfield nach? So gut wie gar nicht: In vier Tagen kam weder auf dem Zeltplatz noch während der Konzerte Abschiedsstimmung auf. Keine verweinten oder bedächtigen Gesichter, kein „If you leave me now“ von Chicago aus den Anlagen der Camper und auch keine Betrunkenen, die den Wegzug des Festivals verfluchen. Eigentlich nur strahlende Festivalbesucher mit Alkohol- und Sonnen-geröteten Wangen. Denn selbige hatte schon am Donnerstag dafür gesorgt, dass an diversen Körpern recht deutlich „In ein paar Jahren hab‘ ich Hautkrebs!“ abzulesen war. Wer es geschafft hatte, seinen Pavillon schnell aufzubauen (die funktionieren alle gleich und trotzdem stellt man sich immer wieder dämlich an), war klar im Vorteil. Er konnte sich im Schatten niederlassen und anfangen den Biervorrat zu vernichten. Wer will schon Sonntagnacht oder Montagfrüh Bier wieder mit heimnehmen. Das war jedoch der einzige Gedanke, den man Donnerstagnachmittag an das Festivalende verschwendete.

    Den kompletten Review mit Bildern und Setlist der Toten Hosen findet ihr unter Music Running Through My Veins.
  • 21.-23.08.09 Highfield

    26 Ago 2009, 16:11 de myallysucks

    Fr., 21. Aug. – Highfield Festival 2009

    Diesmal sollte es früher losgehen als sonst. So war am Dienstag alles gekauft und am Donnerstag Nachmittag alles gepackt und abfahrbereit. Blöd nur, dass eine defekte Zylinderkopfdichtung dem Plan einen gechillten Donnerstagabend auf dem Zeltplatz zu verbringen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und uns stattdessen einen lustigen Abend auf dem ADAC Gelände in Dessau beschert hat. Das macht das Highfield schon unvergesslich bevor wir überhaupt dort waren. Zu recht später Stunde haben wir es dann doch geschafft und es war natürlich schon so derbe voll, dass man schlecht ein Fleckchen zum Zelten mit kurzem Fußweg zum Gelände finden konnte. Da muss man dann einfach mal in den sauren Apfel beißen und einen strammen Fußmarsch in Kauf nehmen, wurde dann aber mit reichlich Platz und einem großartigen Blick auf den See belohnt.
    Freitag beim Frühstück war die Vorfreude einfach unbeschreiblich intensiv – lag wohl daran, dass die Monkeys spielten. Dennoch hieß es erst einmal warten, essen, anreisende suchende Leute beobachten und unsere eigenen Nachzügler zu uns lotsen. Zu

    The Wombats

    ging es dann das erste mal aufs Gelände. Irgendwie wirkte es wie eine Kopie vom letztjährigen Subways Auftritt. Ne peppige Indie Band und eine im Matsch tanzende Menge. Als Einsteiger ziemlich gut zu gebrauchen, wenn auch nicht so fantastisch wie eben die Vergleichsband im Vorjahr.
    Danach mussten sich meine Mitstreiter erstmal auf Betriebstemperatur bringen und so ging es zurück zum Zelt.

    Clueso

    Hat mich dann nicht überzeugen können. Auch angetrunken nicht und das will was heißen. Liegt wohl daran, dass er seine Musik mit ollen Rapeinlagen kaputt machen muss.

    Maximo Park

    Bei denen kam es mir vor als wenn sie nur so ein Lückenfüller an einem indielastigen Tag wären. Ja hey, sie haben ihre ein zwei sehr gute Lieder, aber der Rest hört sich ziemlich lahm an und man fragt sich, wieso der Sänger so sehr dabei abgehen kann.

    Dann endlich war es soweit. Ich musste fast weinen vor Freude. Auch wenn die

    Arctic Monkeys

    in der letzten Zeit ein kleines Sympatietief hatten, so hat mich das neue Album wieder in den Bann gezogen. Die ersten Lieder waren eben auch nur von diesem. Es ist zwar nicht mehr der schranzige, gut tanzbare Indiepunk, sondern irgendwie anders, ruhiger, aber die Musik gefällt. Am Anfang war also chillen und genießen angesagt. Als sie die guten alten rausgeholt haben, war es einfach nur noch herrlich, was dann im Pit abging. Und so konnte man sich auch nicht mehr beschweren, dass sie es dann wieder ruhiger ausklingen lassen haben. Passt vielleicht besser zur Promo fürs neue Album; was weiß ich, was sie sich dabei gedacht haben. Dieses Gemecker über ihre Bühnenpräsenz kann ich aber ganz und gar nicht nachvollziehen. Wenigstens reden sie nicht nur bzw. versuchen krampfhaft etwas lustiges zu sagen, sondern überzeugen durch ihre Musik. Ja ich mein mal, es ist schon ein wenig eigen, wenn man sich bei dem letzten Lied die Lederjacke anzieht und mit der Hand in der Tasche die letzten Zeilen singt, sodass es auf der Bühne zu schneien anfängt, aber hey: Die sind auch erst alle Anfang 20 und ich möchte mal andere sehen, die sich bei einem solchen Erfolg in jungen Jahren nicht schon den Arsch voller Drogen gepumpt haben und anfangen sich zu verkaufen.

    Am Samstag hatte ich dann schon ein wenig das Gefühl, dass sich das Gros schon ein wenig mehr betrinkt, weil es eben das letzte Mal am Stausee ist. Bei den Leuten wo man sich fragen muss, ob sie denn schon wieder oder immer noch voll sind, sollte man sich allerdings fragen, ob sie einfach nur zu dumm sind ihre 100 € Ticketpreis in Alk umzusetzen und sich auf ner Wiese die Kante zu geben, wo man nichts für Camping zahlen muss. Die erste Band des Tages war dann

    VETO

    Hatte vorher quasi einen Tipp bekommen und dachte mir mal, guckste dir an und meckerst wie immer wie schlecht sie doch waren, aber ich wurde positiv überrascht. Von Lied zu Lied verspürte ich einen größer werdenden Drang mir das nach dem Festival noch einmal zu Gemüte zu führen. Danach ging es wieder zum Zelt, erstmal was essen. Der Havanna passte dann recht gut zu

    Panteón Rococó

    und ihrer schönen Karibik-Trommel-Tanz-Ska-Musik. Halt sowas was man in der prallen Sonne auf nem Festival mag und sich aber sonst niemals anhören würde. Eine handvoll Lieder musste dann auch reichen, weil ich zu

    Twisted Wheel

    ins Zelt wollte. Die dann mal sehr ordentlich waren. Eine britische Studentenband wie ich sie mir vorstell. Definitiv auf eine unbekannte Band die mich überrascht hat. Danach hatte ich irgendwie einen Durchhänger. Die schöne Nachmittagssonne, ein Platz auf der Wiese und

    Tomte

    kamen da gerade recht um mal gemütlich ne Stunde zu chillen. Aktiv wahrgenommen habe ich nur ein paar Lieder, aber die waren besser als beim immergut. Danach ging es immer noch ziemlich schläfrig zu

    Metric

    War halt auch vorher eine Empfehlung gewesen, aber sie haben mir so gar nicht zugesagt, was wahrscheinlich an der Stimme lag. Ein paar Lieder hab ich sie wirken lassen, war alles irgendwie gleich, deshalb ging es zu

    Vampire Weekend

    die ich wieder hinten von der Wiese belauschte. Kannte ich vorher nicht und es ist mir auch nichts im Gedächtnis von ihnen geblieben. Verständlich also, dass ich dann vor Ende des Konzerts wieder zum Zelt bin, um mich für den Abend zu stärken.

    Farin Urlaub

    hatte ich auch erst vor nem halben Jahr gesehen gehabt. Es war halt solide wie immer, aber irgendwann kann der einem auch auf die Nerven gehen, wenn man ihn quasi auf jedem Festival antrifft. Alles richtig gemacht hat er aber damit, dass er Zehn zweimal gespielt hat – also so fast. Denn das kennt jeder, alle freuen sich und finden automatisch den Rest auch besser. Auf

    The Offspring

    hatte ich mich im Vorfeld auch ein wenig gefreut. Einfach mal, um eine vielgehörte Band (vor meiner Last.fm Zeit) mal live zu sehen. Liedauswahl und der ganze Kram war sehr sehr OK und man konnte gut dazu abgehen, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie doch ein wenig zu alt für sowas werden, oder warum sind sie alle gefühlte 5 Min von der Bühne gerannt? Naja, war trotzdem das Highlight des Tages und ich war gut nass danach, was auch der Grund war, dass ich mich erkältet hatte und erstmal zum Zelt gegangen bin (weil warm, war ja auch scheiße kalt die Nacht) und von da aus

    Faith No More

    gehört habe. Was ja auch gut möglich war, denn der Master Volume Regler wurde wohl langsam aber stetig gen Anschlag gedreht. Bei zwei Liedern fiel mir auf, dass ich sie kenne und auch ansonsten war die Musik nicht so ganz verkehrt, dennoch gehört ich wohl zu den Leuten, die behaupten, dass den Jungs einfach mal das Geld ausgegangen ist und sie deshalb wieder mit ihrer alten Musik ne Runde drehen. Frag mich auch, wie man sowas auf einem selbstbetiteltem Indiefestival zum Headliner küren kann. Zum Einschlafen gab es dann auch noch ein nettes Gitarre plus Gröhlchor Konzert unserer Nachbarn. Wenn es denn nicht nur Ärzte Lieder gewesen wären…

    Und dann sollte der großartige letzte Tag kommen. Morgens war es natürlich mal wieder herrlich warm, was für ein ausgiebiges Frühstück ermöglichte. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon festgestellt, mal ausnahmsweise völlig übertrieben viel an Fressalien dabei zu haben. Und dann ging es auch schon ziemlich früh zum Gelände, denn

    Zebrahead

    stand auf dem Plan. Unglaublich, wie akkurat die Security da mittags kontrolliert hat. Völlig übertrieben, denn so konnten wir die ersten Lieder nur während des Wartens in der Schlange am Einlass hören. Was man ansonsten so gesehen hat, war ganz großes Kino. Wie sehr eine Band am Nachmittag für Stimmung sorgen kann, war ziemlich krass, auch wenn der Muschikopfwitz beim 10. Mal sowas von ausgelutscht war. Trotzdem klasse. Danach gabs kurz

    Turbostaat

    War aber nicht so pralle und deshalb wieder ab zum Zelt Essen fassen (wie gesagt, da musste noch so einiges weg) und dann weiter zu

    AFI

    wo ich viel viel mehr erwartet hatte. Sie wirkten so lustlos, das Gerede nervte und wirkte wie von einer kaputten Schallplatte, der Sound war kacke und zu früh aufgehört haben sie auch. Da hilft es dann auch nicht mehr, dass sie an sich derbe geile Musik machen. Vielleicht wird’s ja bei der Tour zum neuen Album besser. Streichermetal musste es dann nicht gerade sein, deshalb mal wieder was zum beißen gesucht und auf Empfehlung eines netten Herren auf der Wiese zum richtigen Chinanudelstand gegangen.

    Deftones

    Waren auch nicht so mein Fall. Die Nu Metal Schiene hab ich wohl hinter mir gelassen. Ansonsten ist mir das live als auch auf der Platte zu viel Geweine für das Genre. Der wohl allen bekannte Typ in rosa flauschiger Jogginghose hatte dann auch noch mal seinen hellen Moment am Sonntag, als er es sich auf dem Kies gemütlich gemacht hatte und als Kopfkissen eine abgeranzte Calippoeistüte benutzt hat und seelenruhig schlafen wollte, was seine Aufpasser aber nicht zuließen. Dann kamen sie, die Band auf die ich quasi nach dem Konzert der AM angefangen hatte zu warten. Eigentlich wollte ich sie ruhig von weiter hinten aus genießen, aber nachdem

    Rise Against

    30 Sekunden lang gespielt hatten, zog es mich sofort in die 4., 5. hinter dem Wellenbrecher. Und es war so großartig. Wie ausgewechselt wirkten sie zu dem Konzert in Berlin im Februar. So haben sie die Setlist komplett zum Guten verändert und auch das Lied schlecht hin einfach mal in der Mitte gespielt, was mir die zweite Luft beschert hatte, da ich einfach dachte, es wäre gleich vorbei und einfach nur noch abgegangen bin. Absolutes Highlight des Festivals war dann einfach der riesige Circle Pit – ein absoluter Spaß und ein Muss für jeden da mal mitgemacht zu haben. Es war einfach das Konzert des Festivals, dass einfach so geflasht hat, dass ich sogar hinten stehen geblieben bin und mir ein bisschen was von

    Die Toten Hosen

    angeguckt hab. Die Musik ist ja ganz Ok, kann man nichts gegen sagen, aber mir hat es gereicht, sie ab Hälfte ungefähr sie vom Platz zu hören und dabei gemütlich am Grill zu sitzen und die letzten Stunden Highfield zu genießen.

    Das war es dann mit dem Highfield. Eigentlich schade drum, aber mal abwarten, wo es denn nächstes Jahr sein wird und ob es dann auch wieder so toll werden wird, denn das war es dieses Jahr defintiv.
  • Tanz auf der Trauerfeier

    25 Ago 2009, 0:46 de TheMozfather

    Fr., 21. Aug. – Highfield Festival 2009

    nachzulesen auch auf NOBONO.de

    Das Highfield Festival in Hohenfelden sagt „Auf Wiedersehen“ und ich winke mal zum Abschied mit. Ansonsten the same procedure as every year. Ein musikalisches Kondolenzschreiben…

    Akzeptanz und Gelassenheit sind einige der absoluten Vorzüge des “Alters”. Und ja, ich sage „Alter“, obwohl ich vergangenen Monat „erst“ 25 geworden bin. Na jedenfalls entwickelt man da eine gewisse Entspanntheit, was Dinge angeht. Vergangenes Jahr habe ich meine Highfield-Review noch mit ausgiebigem Schimpfen über die Ideenlosigkeit klassischer Rockmusik und die Prolligkeit vieler Festivalbesucher eröffnet. Und um das gleich mal vorauszuschicken: Geändert hat sich daran nicht wirklich etwas. Warum auch? Das Prinzip „Rockfestival“ funktioniert seit Woodstock vor fast exakt 40 Jahren bestens und meist immer gleich. Also zelebrierte man den gepflegten bzw. ungepflegten Eskapismus mit viel Bier, viel Gegröle, viel Gitarren und noch mehr Bier. Wenn Jimi Hendrix das noch erleben dürfte. Dennoch, und das sei dem Festival hoch angerechnet, geht es im Allgemeinen immer recht friedlich und harmonisch zu. Entspannte Idiotie, die irgendwie ansteckt. Fernab der Zivilisation am Stausee Hohenfelden kann man mal endlich all das machen, was normal an Schule, Uni oder Arbeitsstelle nicht geht. Arbeit Nervt halt! Wo waren eigentlich Deichkind an diesem Wochenende? Und so setzt sich das Publikum aus einem bunten Haufen unterschiedlichster Charaktere zusammen. Vom hippen „Ich-komm-aus-Berliiiiiin“-Indie-Starlett bis zum Dorfproll in Camouflage-Badeshorts findet man hier alles vor. Von denen die sich ganz zeitig schon aufs Festivalgelände begeben bis zu denen, deren Alkoholpegel bereits vor 20 Uhr auf bedrohlichem Level ist und die den Zeltplatz teilweise während des ganzen Wochenendes nicht verlassen. Bester gehörter Satz in diesem Kontext: „Hä? Ihr geht euch Musik anschauen? Ihr seid ja spießig!“ Ja, ich bin spießig, aber in dem Zusammenhang steh ich dazu. Selbst-Profilierung bei 25.000 elektrisierenden Besuchern ist auch ein recht schwieriges Unterfangen, also lass ich’s gleich sein. Deshalb geht’s mit uncooler aber zweckmäßiger Billig-Regenjacke (die zum Glück nicht wirklich benötigt wurde) am Freitag schon gegen Nachmittag aufs Gelände.

    Erster Anlaufpunkt des Wochenendes war Get Well Soon. Seit dem Erscheinen Anfang 2008 ist der Wahl-Münchner Konstantin Gropper mit seinem Projekt fast ununterbrochen on the road, wie man so schön neudeutsch sagt. An ihrer Kraft und Intensität haben diese Songs aber nach wie vor nichts verloren. Noch immer ist „I Sold My Hands For Foot, So Please Feet Me“ ein unglaubliches Monster von Song. Höchste Zeit, dass ich mir das Album nochmal anhöre. Ansonsten ist die Show aber relativ unverändert gegenüber 2008 und da es keine neuen Songs gab, darf man gespannt sein, was denn Album Nummer Zwei, wann auch immer es kommt, zu bieten haben wird. Bei den Wombats freu ich mich darauf nicht wirklich. Die spielten im Anschluss ihren very british Indie-Poprock von der Stange und da grad nichts anderes lief, schaute ich halt mal hin. Und an ihrer Überflüssigkeit haben die aus meiner Sicht auch nach wie vor nichts verloren. Das Debüt, dessen seltsamer Name mir gerade entfallen war, bot außer den recht ordentlichen Hitsingles kaum Weiterhörenswertes. Und die neuen Songs… Gut, die konnte ich als solche nicht identifizieren, aber na ja. Der Mehrheit im Publikum hat’s gefallen und das ist ja auch okay. Aus den Ohren aus dem Sinn. Ich möchte ja nicht sagen, dass dies bei Wilco im Anschluss ähnlich war. Aber die waren mir vorher nur vom Hörensagen ein Begriff. Und von der Tatsache, dass sie im Altherren-Musikjournalismus des Rolling Stone Magazins immer hochgelobt werden. Hmm, ob dies ein gutes Kriterium ist? An sich aber ein solides Set, welches die Band aus Chicago abliefert. Und angesichts der Wombats und der ewig gleichen Mainstream-Rock-Beschallung durch die Hosen, Ärzte oder Beatsteaks auf dem Zeltplatz war dieser ur-blusige US-Folkrock (darf man das so beschreiben, liebe Wilco-Fans?) eine gelungene Abwechslung. Gute Band! Doch natürlich dienten Wilco nur dazu, sich einen guten Platz zu sichern. Von diesem konnte man sich anschließend das Heimspiel des Erfurters Clueso mit samt Band anschauen. Und das war mal richtig überraschend. Überraschend gut nämlich. Schon beeindruckend, welch erstaunliche Entwicklung dieser kleine Lausbub in den letzten Jahren genommen hat. Vom kleinen Hip Hopper hin zu einem der interessantesten und sympathischsten Popstars des Landes, dessen musikalisches Spektrum mittlerweile recht vielseitig angelegt ist. Und Songs wie „Gewinner“ sind halt einfach mal gute Songs. Das sieht die Mehrheit der Leute an diesem Abend genauso und macht es dem jungen Mann leicht. Kein Wunder, ist er doch der einzig brauchbare Popstar des Bundeslandes und damit auf der sicheren Seite. Die Masse geht gut ab und kann wortgenau mitsingen. So werden gerade die Balladen, wie das wunderbare „Chicago“ zu einem echten Gänsehauterlebnis. Spätestens, wenn er als Zugabe das ruhige „so sehr dabei“ als Schwanengesang auf das Highfield anstimmt. Denn das Festival muss ja bekanntlich den Stausee Hohenfelden räumen. Zu groß sind die Schäden für die Bauern und den See. Na ja, irgendwie unnütz. Aber na gut, zurück zur Musik. Eine erstaunlich souveräne Darbietung von Clueso war das allemal. Grönemeyer kann schon mal in Rente gehen. Jedenfalls war ich jetzt gut eingestimmt um meine persönliche Haupt-Wunschband des Tages, nämlich Maximo Park, die im Anschluss spielten. Seit jeher eine meiner Lieblingsbands, die es geschafft hat, seit 2005 drei sehr gute Alben unters Volk zu bringen. Auch das neue Album, „Quicken The Heart“ ist wieder so eins, auch wenn man das nicht sofort hören mag. Los ging’s aber erstmal mit „altem Scheiß“, nämlich „Graffiti“ vom Debüt. Da war die Hütte schon am Abhotten. In den nächsten 70min gab’s dann ein buntes Set aus allen Alben. Dazu neben einer solide spielenden Band (wie immer ein humorvoller Anblick: Keyboarder Lukas) wie immer ein herrlich aufgedrehter Paul Smith. Die Frontsau, wie immer, im stilsicheren Anzug und auf 180. Er wirbelt herum, feuert das Publikum an, zuckt und tanzt und schafft es dabei immer noch mit allerhand pathetischen Gesten diese wundervollen, kleinen Poprock-Songs zu singen. Ach, und was für welche… „The Kids Are Sick Again“, „Books From Boxes“, „Going Missing“ oder die tolle neue Single „Questing, Not Coasting“… alle waren sie dabei. “The Coast is always changing” wäre die Krönung gewesen, dafür gab’s aber überraschenderweise das kunstvolle, ruhige „Acrobat“ vom Debütalbum. Eine tolle Vorstellung, wenngleich der Sound nicht so berauschend war. Hmm, das übliche Problem in der ersten Reihe. Deshalb, und weil’s etwas zu voll wurde, ging ich im Anschluss nach hinten, um mir den Hauptact des Tages, die Arctic Monkeys anzuschauen. Diese kamen pünktlich zur Geisterstunde um Mitternacht auf die Bühne und überraschten auf ganzer Linie. Die jungen Herren aus Sheffield scheinen angesichts des neuen Albums „Humbug“ wirklich ein wenig reifer geworden zu sein. So begnügt man sich an diesem Abend nicht damit, dem Publikum zu geben, was es haben möchte. Die Songs des kultigen Debütalbums kann man an ein paar Fingern abzählen. Das totgespielte „I bet you look good on the dancefloor“ wird widerwillig gespielt, aber auf “When the Sun goes down” wird bspw. komplett verzichtet. Interessant. Dafür gibt’s zu großen Teilen die etwas ruhigeren und verworrenen Songs des neuen Albums „Humbug“. Großes Tennis, das beweist, dass die Band mehr drauf hat als Wombats-ähnliche Disco-Songs zu schreiben. Die Ambitionen des Quartetts kommen weiter hinten nicht so sehr an, aber vorn ist der Applaus größer. Ich persönlich freue mich über persönliche Favouriten, wie „If you were there, beware“ vom letzten Album und so viel Mut. Wortkarg waren sie schon immer. Das ist okay. Und auf jeden Fall macht es immer noch Spass, „Humbug“ zu hören und dabei die Songs zu entdecken. Ein mehr als gelungener erster Tag ging deshalb zu Ende. Und ich war dann sogar so uncool, dass ich am Partyzelt und dem x-ten Mal „Hello Joe“ vorbei ging um mich direkt ohne Los Richtung eigenes Zelt zu begeben.

    Kurz war die Nacht dann allerdings trotzdem. Is ja immer so. Da hilft nur eins! Aufstehen, Weitertrinken, Weiterfeiern! Oder so ähnlich. Während viele noch ihren Rausch ausschliefen gings gegen Nachmittag ganz entspannt aufs Festival um noch ein paar musikalische Highlights zu finden. Spinnerette war sicher keines davon. Die US-Rockband um die frühere Distillers-Frontfrau Brody Dalle macht so absolut nichtssagenden US-Alternative-Rock, dass man ihr deshalb gar nicht böse sein kann. Oh, und ich hab gelernt, dass sie mit Josh Homme verheiratet ist. Dennoch hab ich hier erstmal weiter hinten etwas gechillt. Danach wollte ich allerdings munter werden, wozu sich die mexikanische Band Panteon Rococo bestens eignete. Ein luftig leichter aber enorm tanzbarer Mix aus Rock, Pop, Ska und lateinamerikanischen Klängen machte Bock auf Arschwacklen, Händeklatschen und andere Bewegungsspielarten. Eigentlich nicht so Musik, die ich privat höre, aber in diesem Fall einfach genau richtig an diesem schönen, warmen Sommertag. Und es macht immer Spass eine Band mit Spielfreude zu sehen. Im Prinzip dass, was letztes Jahr an gleicher Stelle Gogol Bordello für mich waren. Diese musikalische Vielfalt an unterschiedlichen Rockspielarten ist ja auch ein großer Pluspunkt dieses Festivals. Denn wo bekommt man schon mexikanischen Rock gefolgt von deutschem Indierock? Im Anschluss standen nämlich die unverwechselbaren Tomte auf dem Spielplan, zu denen ich in den letzten Jahren eine innige Liebe entwickelt habe. Zum einen, weil sie ganz wunderbare Popsongs in unpeinlicher deutscher Sprache schreiben und zum anderen, weil Bandleader Thees Uhlmann einfach so’n Vollsympath ist. Auch an diesem Tag. Das Set beginnt mit einem kurzen Akustik-Cover von „Human“ von den Killers (!) und mündet dann gleich in die famose „Schönheit der Chance“. „Alles real, nix fake!“ propagandiert Uhlmann. Danach spielen Tomte ein solides Set aus ihren größten Hits, bei dem das Publikum gut mitgeht und mitsingt. Ach, und einen Flashmob gab’s. Ist aus dem eigentlich was geworden? Ich hab mitgemacht, mich trifft keine Schuld. Und ganz nebenbei gibt sich Uhlmann, der „Godfather of german Indie-Rock“ (O-Ton: Ich) als Anekdotenerzähler, der von nächtlichen Badeunfällen berichtet und gegen die NPD wettert. Hinter mir schreien einige „Langeweilig!“, aber so isser halt. Eine Figur, an der sich die Geister scheitern. Ein toller, leider zu kurzer Auftritt der Band. Die Überpünktlichkeit brachte mich aber dazu endlich mal einen Abstecher drüben ins Zelt zu wagen, wo ich dann noch die ersten Songs von Metric mitbekommen sollte. Die Band um die extrem attraktive und extrem talentierte Emily Haines spielte vor vollem Haus bzw. Zelt und schien, wie ich mir später sagen lies, das Publikum gut im Griff zu haben. Mir war’s dann leider etwas zu voll und ich entschloss mich wieder Frischluft zu schnappen, um einen lauschigen Sonnenuntergang am See zu genießen. Die Musik dazu lieferten Vampire Weekend, die mir mit ihrem selbst betitelten Debüt mein persönliches Sommeralbum für 2008 bescherten. Was gibt es also mehr, als die Kombination Sonne und Vampire Weekend auch an diesem Abend zu genießen? Gespielt wurden alle relevanten Hits des Debüts und schon einige sehr vielversprechende Vorboten des Nachfolgers. Das Publikum wurde im Verlauf der Performance zusehens munterer und interessierter, wenngleich man natürlich primär auf den Mini-Hit „A-Punk“ wartete. Aber auch „Blake’s Got A New Face“ funktionierte ganz gut. Ein sehr stimmungsvoller, kurzweiliger Auftritt. Danach war allerdings die Sonne untergegangen und die Party sollte richtig losgehen. Dafür eignet sich Deutschlands landeseigner Punkrock-Stimmungsmacher Farin Urlaub natürlich bestens. Dieser enterte kurz nach halb 9 mitsamt seinem Racing Team die Hauptbühne und wurde da wärmstens empfangen. Die Masse des Publikums ist bei einem Farin Urlaub Gig mittlerweile eh ähnlich dem eines Ärzte-Auftritts. Kaum ein Ärzte-Fan, der nicht auch Farins Solo-Zeug mag. Umgedreht gibt es das sowieso nicht. Immerhin gehen auch die größten Ärzte-Hits auf das Konto von Jan Fedder aka Herr Urlaub. Und einen großen musikalischen Unterschied zu seinen Solo-Sachen kann ich auch nicht ausmachen. Das bleiben schmissige, eingängige und ungefährliche Poppunk-Songs, wenngleich der Bläseranteil bei den Solosachen größer ist. Textlich widmet sich Urlaub ebenfalls den begehrten Themen Liebe/ Gesellschaft und Schwachsinn. Vielleicht ne Spur ernster, das macht vielleicht das Alter. Kein Wunder dass dieser blonde 45jährige Berliner mit den nie langweilig werdenden „Teen Angst“-Themen nach wie vor eine breite Altersschicht anspricht. Als die Band mit Spielen beginnt, geht ordentlich die Post ab. Vielleicht etwas zu sehr. Ärzte-Fans moshen halt gern. Vielleicht etwas zu viel für meinen Geschmack und vielleicht auch für den von Herrn Urlaub, der das Konzert kurz unterbricht um das Publikum zum Friedlichsein zu animieren. Sehr löblich! Is mir dennoch etwas zu viel Kampf und zu wenig Konzert, also geh ich ein wenig weiter hinten. Da ist die Stimmung auch gut, aber man kann noch atmen und bekommt nicht die schwitzenden Körper irgend welcher halbnackter Farin-Fans hautnahe zu spüren. Das Racing Team spielt einen fulminanten Auftritt und macht Spass, auch wenn es mir als Laie schwer fällt, da was auseinander zuhalten. Dennoch gute Arbeit, doch mich zog es noch kurz rüber ins Zelt um da noch ein paar Songs der viel umjubelten Maccabees mitzubekommen. Bisher waren die mir nämlich bis auf den Namen relativ fremd, muss ich sagen. Hört sich nach nettem Indierock an. Sänger Orlando Weeks trifft in etwa die Stimmlage eines Win Butler (Arcade Fire) und hat die Gitarre soweit oben hängen, dass man ihm fast Bela B. auf den Hals hetzen möchte. War irgendwie nett, aber nicht sonderlich spektakulär. Müsste man vielleicht noch mal reinhören. Danach war ich allerdings definitiv bereit für eine Pause, am besten in Form eines guten Dresdner Handbrotes. Yammi! Also entspannte ich ein wenig im Coca Cola Soundwave Tent (immer noch furchtbarster Name der Welt) während der Umbaupause. Draußen spielten The Offspring, die ich mir aber erspaarte. Vor zehn Jahren wäre ich da vielleicht hingegangen, aber heutzutage gibt mir das nix mehr. Während die anderen also noch in nostalgischen Erinnerungen schwebten, genoss ich die kurze Erholung, um dann im Zelt mal kurz aus der Lethargie gerissen zu werden. Und wie! Die letzte Band des Abends sollten da nämlich die wunderbaren Baddies sein. Ich meine, im Prinzip ist diese ganze Indie-New-Wave-Rock-Welle aus England ja seit einiger Zeit tot und ich persönlich bin all dieser Franz-Ferdinand-Klone langsam überdrüssig. Aber an diesem Abend kommt diese Band auf die Bühne spielt innerhalb einer Stunde ein famoses Set aus kantigen, schroffen Post-Punk-Songs, die gleichzeitig schroff, wie druckvoll, wütend wie eingängig sind. Keine Ahnung, wie es diese Band geschafft hat, aber für einige Momente fühlte es sich an, als sei dies die Entdeckung des nächsten großen Dings! Und dabei meine ich die Joy-Division-Größenordnung! Das relativiert sich natürlich im Laufe des Auftritts wieder, aber in diesem Moment war ich vollkommen überwältig von ihrem energetischen punktgenauen Rock und dem Auftritt der Band. Die sahen zwar alle aus wie Versicherungsvertreter, legten sich aber ordentlich ins Zeug. Besonders Lead-Sänger Michael Webster, welcher den zappelnden Gitarrenroboter gibt und eine mit durchstechenden Blick ins Mikro schreit. Nach all dem Mainstream-Rock des Festivals oder auch all dem Elektro-Kram, den ich zuletzt auf dem MELT! gehört hatte, war diese Band irgendwie erfrischend für meine Ohren und Beine. Schroff, aber schön und mit ansprechender Direktheit. Ob sich das auch auf der bald erscheinenden Debütplatte „Do The Job“ so gibt, bleibt abzuwarten, aber an diesem Abend waren die Baddies für knapp 60 Minuten für mich die wichtigste und beste Band der Welt! Und das ist ein Gefühl, an das ich mich gern zurückerinnere. Damit hat auch dieser Festivaltag einen gebührenden Abschluss gefunden. Die Baddies bedanken sich dafür, dass ihre Zuschauer sich neuer Musik öffnen, was natürlich einen schönen Kontrast du den draußen aufspielenden Faith No More darstellt. Die Band hatte ihren musikalischen Zenit sowieso schon hinter sich gelassen, als ich angefangen habe, aktiv Musik zu hören. Ist zwar schön, dass die sich damals 1998, als das Highfield das erste Mal stattfand auflösten und nun pünktlich zum letzten wiederkommen, aber es stellt sich einem einfach die Frage: Wer braucht diese Band 2009 noch bzw. wieder? Cross-Over? Himmelherrgott… Mike Pattons Solosachen waren da ja wesentlich interessanter. Hier wirkt die Band wie eine alte Kirmesband, die ihre alten Kamellen spielt. Immerhin passen die trashigen Anzüge dazu. Zwischendurch beschwert sich Patton, welcher mittlerweile ein wenig aussieht wie Robert Downey Jr., warum denn das Publikum nicht komplett austickt. Vielleicht, weil es zu wenig Grund dazu gibt. Meine Generation kann damit einfach nichts anfangen. Vielleicht wenn ich 5 Jahre älter wäre, aber so besitzt diese Band einfach Null Relevanz und ich verzieh mich nach kurzem Gastspiel wieder Richtung Zeltplatz.

    Und wo wir gerade bei seltsamen 90er-Jahre-Band-Revivals sind… da schlag ich doch spontan gleich die inhaltliche Brücke zum Sonntag und Deutschlands Antwort auf eben dieses Revival: Selig! Die sollten an diesem noch heißeren Abschlusstag für mich die erste Band des Tages sein. Allerdings tut der Vergleich mit Faith No More hier ziemlich hinken. Immerhin sind Selig nicht nur mit neuen Kamellen am Start, sondern haben ein neues Album mit dabei, welches beim Publikum sehr gut ankommt. Die Altersschichten scheinen auch etwas durchmischter zu sein, als am Vorabend. Und so spielt man bspw. „Ist es wichtig?“ als sperrigen Anfang oder die Allzweck-Schmuseballade „Ohne dich“, welche auch nach 15 Jahren immer noch einer der besseren deutschsprachigen Songs ist und vom Publikum ordentlich intoniert wird. Frontmann Jan Plewka hat sich farblich unter das Motto „rot und eng“ gestellt und genießt das Comeback sichtlich. Also, schlecht war das nicht, muss ich sagen. Gute Vorstellung! Danach erstmal Pause. Generell ist dieser Sonntag relativ ereignisarm und dient eher zum entspannten Ausklang meinerseits, was angesichts der Vortage durchaus okay ist. Also legt man sich auf den leicht verdorrten Rasen, während im Hintergrund die furchtbaren AFI einen undeutbaren Scheiß zusammenspielen. Anschließend spielen Apocalyptica aus Finnland und das gar nicht mal so schlecht. Ich meine, die machen Cello Metal… das ist so dämlich, dass man es schon wieder gut finden muss. Außerdem sehen die Typen aus, wie direkt aus „World of Warcraft“ entsprungen. Gespielt wird ein Mix aus Metallica-Covern und ein paar eigenen Songs. Klassik-Einsprenkler inklusive. Macht eigentlich Laune und es rockt recht gut. Als am Ende „Enter Sandman“ gespielt wird und das Publikum dazu den Gesang übernimmt macht das einfach nur Spass. Es ist das 200. Konzert der aktuellen Apocalyptica-Tour und auch das Letzte. Ein würdiger Abschluss, würd ich sagen. Recht unterhaltsam, privat aber nichts für mich. Nichts mehr für mich sind dann im Anschluss die Deftones, die ich mir aber, auch bedingt durch meine kurze aber intensive Teenager-Nu-Metal-Phase gern noch mal anschaue. Der alten Zeiten wegen. Wenngleich die Deftones immer die gute Seite dieses furchtbaren Kurzzeit-Genres repräsentierten. Offen für Experimente und bekannt für den charismatischen Sänger Chino Moreno, der es schafft binnen Sekunden von wütendem Geschrei auf zerbrechlichen Gesang umzuschwenken. Auch 2009 klappt das noch und die Band kommt gut an, spielt am Ende das unverwüstliche „Change (In The House Of Flies)“, sowie „Back in School“. Herrlich altmodisch! Ich hätte mich noch über „Digital Bath“ gefreut. Na ja, schöne Sache zum Erinnern. So ähnlich müssen sich die Faith No More-Fans am Vorabend gefühlt haben. Danach lief erstmal eine Weile nichts. Im Zelt spielten <b>Blitzen Trap</b> schrulligen Südstaaten-Rock der Marke „Okay“, während <b>Rise Against</b> auf der Hauptbühne die Massen zu austauschbarem US-Krach-Punk zum Toben brachten. Das ich vorher noch nie etwas von der Band gehört hatte beweist nur, dass ich in dem Genre nicht wirklich beheimatet bin. Nee, ich fühl mich da, ganz männlich, natürlich eher von homosexuell angehauchten Indie-Pop angesprochen! Und so sollte dieses Festival im Coca Cola Tent mit dem famosen Patrick Wolf enden! Und was für ein Ende! So hatte sich dann doch ein großer Pulk an Menschen mit Geschmack und Unlust auf Campino und Co. eingefunden, als Wolf gegen halb 10 die Bühne betrat. Und natürlich stilsicher in eine Kombination aus Gold mit… ähm… noch mehr Gold. Wolf treibt die schwule Diva mittlerweile endgültig auf die Spitze und sieht aus, als sehr er beim ABBA-Coverband-Casting bis in die letzte Runde gekommen. Ein feiner Anblick! Als er dann mit seiner akkuraten Begleitband loslegt, kann die Abschlussparty beginnen. Das Publikum gibt sich erst etwas verhalten bis verwundert, taut dann allerdings ordentlich auf und schließt sich der Spielfreude des Protagonisten an. Wolf ist gut drauf, klettert in den Bühnengraben und fast sogar ins Publikum, umarmt die Ordner und freut sich über die verschwitzte Unterwäsche, welche ihm auf die Bühne geworfen wird. Männer, wie Frauen liegen ihm in der ersten Reihe zu Füßen… vielleicht sogar mehr Männer. Das wird mit einem kleinen Strip belohnt. Und sagen wir mal so… das was da unter dem goldnen Gewand getragen wird, überlässt nichts der Fantasie. Spielend leicht schafft Patrick Wolf den Sprung durch alle Genres. Egal, ob Rock, einfühlsames Singer-Songwritertum oder einfach nur Disco… er kann alles und man nimmt ihm diese Vielseitigkeit auch zu jedem Zeitpunkt ab. Zwischendurch bedankt er sich ganz artig und verrät, dass er gerade am Deutschlernen ist. Das wird natürlich im Land der Dichter und Denker gern aufgenommen. Am Ende ist der Jubel gewaltig und es gibt noch mal eine Zugabe des erblondeten Entertainers sowie noch mal ordentlich Publikumskontakt. Ein fulminantes Ende dieses Festivals! Hatte der Sonntag doch noch Sinn!

    Nach so einem geilen Auftritt wirken Die Toten Hosen auf der Hauptbühne dann gleich noch mal doppelt so lahm, wie man es erwartet hätte. Sicher, die Düsseldorfer Altpunks sind deutsches Kulturgut und ein Lied bzw. Refrain kann jeder Deutsche mindestens mitsingen, aber irgendwie ist das so gar nicht mehr meine Welt. Und das obwohl ich in jungen Jahren ein paar Songs ganz gern mochte. Aber na ja, wer halt nach 20 Jahren immer noch nicht die Schnauze voll hat von den ewig gleichen Mitgröhl-Hymnen übers Durchhalten, Herzschmerz und vor allem Alkohol, der soll sie halt feiern, die guten, alten Zeit. Immerhin ist Campino ganz locker drauf an diesem Abend. Ich könnte mir schon denken, dass der mittlerweile auch mal mehr Bock auf anspruchsvollere Sachen hätte, aber Hosen-Frontmann bist du halt auf Lebenszeit. Egal ob mit 25 oder mit 45. Muss man einfach mit! Vielleicht wär ich mit ’nem Pegel jenseits der 2 Promille auch noch mal mitgezogen… der alten Zeiten wegen halt. Aber so irgendwie nicht. Dennoch ein imposanter Abschluss, wenn am Ende tausende Leute zusammen „You’ll Never Walk Alone“ grölen. Damit ist dann aber auch endgültig Schluss! Das Highfield gibt zur Abschiedsvorstellung noch mal eine Art Best of mit den größten Hits der letzten 20 Jahre und einem Publikum von 14 bis 40. Die Blaupause eines Rockfestivals. Und natürlich soll das Highfield 2010 wiederkommen mit neuer Adresse und im Osten wie man versichert. Dennoch ist man am nächsten Tag irgendwie leicht wehmütig. Denn eigentlich ist das eine schöne Landschaft da am Stausee Hohenfelden. Und wenn man dann die Unmengen an übrig gebliebenen Müll sieht versteht man die Bauern schon ein wenig, aber schön wär’s schon gewesen, wenn man sich einen Ruck gegeben hätte. Mit der Location stirbt halt das essentielle Stück Highfield. Ob dies nächstes Jahr an andere Stelle genauso gut funktioniert bleibt fraglich. Ich hab mich jedenfalls schon mal mehr oder weniger verabschiedet. Das Highfield 2009 war, wohl auch aufgrund der überschaubaren Highlights, ein recht entspanntes Festival mit hohem Unterhaltungswert aber wenig musikalischen Offenbarungen. Und trotz des Umzugs werden sicher auch im nächsten Jahr viele Menschen kommen, um den guten alten Zeiten bzw. dem hemmungslosen Eskapismus zu frönen. Und das ist ja auch okay so. Jedenfalls wurde die Trauerfeier 2009 eher zum Besäufnis als zur Beerdigung. Das Leben geht halt weiter. Dann sag ich mal: Bis zum Festivalsommer 2010. Egal, wann oder wo genau.
  • What were they thinking?

    29 Dic 2008, 16:41 de Supermandre

    Für mich sieht das ja grade so aus:
    Hurricane 2009 = Highfield 2008 Highfield 2009 = Hurricane 2008 Highfield 2009 = Hurricane 2009
    Naja, aber Lichtblicke sind irgendwie schon dabei.

    update 1:
    "+++ Für die Zwillingsfestivals Hurricane und Southside, die vom 19. bis 21. Juni stattfinden, gibt es neue Bandbestätigungen. Aktuell haben Franz Ferdinand, Ben Harper and Relentless7, Gogol Bordello, Blood Red Shoes, The Sounds und Katy Perry ihre Teilnahme zugesagt."
    Gogol Bordello und Blood Red Shoes. Same procedure as last year? Und Katy Perry ersetzt Jennifer Rostock!?

    update 2:
    "+++ Weitere Namen stehen für das Highfield-Festival fest. Neben den schon bekannten Bands erweitern nun Maximo Park und The Wombats das Line-Up."
    Maximo Park hab ich doch letztes Jahr irgendwo gehört?